Cukrowicz Nachbaur Architekten

Das Vorarlberg Museum liegt im Zwischengürtel von Bodenseeufer und kompaktem Stadtgefüge. Dort reihen sich mehrere Solitärbauten aneinander: Das gründerzeitliche Postgebäude, etwas zurückgesetzt ein Gasthof aus 1720, das Kunsthaus 1997 errichtet, das Kornmarkttheater und schließlich das Landesmuseum. Dieses wurde 1905 mit der ehemaligen Bezirkshauptmannschaft errichtet. Modernisierungen und Aufstockungen in den Fünfzigerjahren und 1966 am Dach des Verwaltungsbaus beeinträchtigten Substanz und Erscheinungsbild stark. So wurde 2007 der Neubau des Museums beschlossen, der denkmalgeschützte Teil des Verwaltungsbaus musste jedoch erhalten bleiben.

Cukrowicz Nachbaur Architekten stellen das neue Museum wieder als Solitär frei. Der seeseitige Bestand wird um zwei Geschoße aufgestockt, zum Kornmarktplatz fünfgeschossig angebaut. Ein Knick in der Südwestfassade löst die Blockrandbebauung auf, es entsteht eine neue Platzsituation als Überleitung zum See. Bestand, Aufstockung und Neubau bilden einen klaren, kompakten Monolithen, der durch einheitliche Farbgebung in Champagnerweiß noch deutlicher wird. In den Oberflächentexturen unterscheiden sich jedoch Alt und Neu: Verputz und weißer Beton.

Sämtliche Funktionsbereiche gruppieren sich ringförmig um das innen liegende, fünfgeschossige Atrium mit Glasdach. Durch den galerieartigen Rundgang in jedem Geschoß behält man Überblick und Orientierung. Die verglaste, offene Erdgeschosszone mit Foyer und Café leitet vom Kornmarktplatz über in den Innenhof. Im 1. Obergeschoss befinden sich zwei Veranstaltungsräume, allseitig mit Holzverkleidung, die flexibel als Ausstellungsfläche zugeschaltet werden können und die gesamte Verwaltung. Die drei weiteren Stockwerke bleiben ausschließlich den Ausstellungen vorbehalten, wobei das zweite durch die vorgegebene niedrigere Raumhöhe das Schaudepot und Räume für Haustechnik und Zwischendepots beinhaltet, alles in hochwassersicherer Lage. Als zweite, interne Erschließung wurde die historische, gewendelte Marmortreppe verlängert. In den Neubauteilen werden die Gangflächen aus Betonterrazzo mit hellem, fast weißem Bitumenterrazzo ergänzt, in den Räumen findet sich Eichenriemenboden. Lehmputz an Decken und Wänden wird ansonsten durchgezogen.

Kunst und Bau
Es wurde eine enge Verknüpfung von Kunst mit der Architektur in mehreren Interventionen konzeptioniert. Eines der Kunst und Bau Projekte ist der ausstellungs- und „konsum“-freie Panoramaraum im obersten Stock. Florian Pumhösl hat den knapp 90 Quadratmeter großen Raum mit dem riesigen Fenster zum Bodensee als überdimensionales Kameragehäuse schwarz, mit Filz ausgekleidet und ihn in Decken- und Wandlamellen aufgefächert.

Präsentester Beitrag ist die Fassadengestaltung. In enger Zusammenarbeit der Architekten mit Manfred Alois Mayr aus Südtirol entstand ein Fassadenrelief, das mit seinem Licht/Schatten-Spiel Wetter und Tagesverläufe wiedergibt. Es besteht aus 16.656 einzelnen, knapp fünf Zentimeter hohen Betonblüten, in fugenlosem Guss. Als ganzflächige, ornamentale Streumuster werden die Böden von verschiedenartigen PET-Flaschen verwendet. Mit aufwändigen Versuchen entwickelte man großflächige Matrizen aus Polyurethan, die in sechs Meter hohe Schalungselemente eingelegt und mit selbstverdichtendem Ortbeton, in hoher Viskosität ausgegossen wurden. Der Züricher Künstler und Mathematiker Beat Roth entwickelte hierfür das System „Domino 13“.

Text: Martina Pfeifer Steiner

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